Oliver, du warst zum ersten Mal auf einer Karrieremesse für Frauen, auf der „Women & Work“ in Bonn. Wie war es für dich inmitten von so vielen Frauen?

Ich bin ja mit dem Bewusstsein dorthin gegangen, dass es eine spezifische Frauenmesse ist. Im Grunde war sie für mich wie jede andere Messe, nur mit einem höheren Frauenanteil. Ich wurde nicht komisch angesehen, durfte eine offene Atmosphäre erleben; ich habe mich durchaus wohl und willkommen gefühlt.

Und so empfindest du jede Messe?

Zugegeben, es gibt einen Unterschied. Die Atmosphäre ist angenehmer und unkomplizierter. Die meist auf Messen vorherrschende männliche Energie ist nicht da und damit auch nicht dieses konkurrierende Verhalten, wie es im Job unter Männern oft der Fall ist. Ich glaube, für die Frauen in ihrer beruflichen Orientierungs- und Bewerbungsphase ist das angenehmer. Die Atmosphäre auf der Women & Work habe ich als authentisch und ein ganzes Stück weit souveräner im Aufeinander-zugehen und Ins-Gespräch-kommen erlebt.

Konntest du mit den Vorträgen und Diskussionen auf der Messe etwas anfangen?

Es war schon sehr interessant. Ich habe eine Reihe von Anregungen und wichtigen Reflektionen erfahren. Ich war aber auch teilweise überrascht, wenn Frauen darüber sprechen, was Männer denken. Da ist zwar viel Wahres dabei, aber auch viel Schubladendenken.

Was hat dir nicht gefallen?

Es bringt nichts, Plattitüden und Klischees zu befeuern. Es sollten Brücken zwischen Männern und Frauen gebaut werden. Wir brauchen keine Grabenkrieger, sondern Brückenbauer. Das mache ich als Personalberater mit Empathie und Sensibilität und zwar auf der Kandidaten- und auf der Unternehmensseite. Es ist wichtig, immer individuell auf die Position und die Bewerber zu schauen, zu beraten und Lösungswege anzubieten.

Was hältst du generell von Messen speziell für Frauen?

Grundsätzlich bin ich nicht für „Frauen- und Männermessen“. Ich kenne diese Thematik so in meinem Berufsalltag auch nicht. Ich besetze Fach- und Führungskräfte und suche Kandidaten aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation und ihrer Persönlichkeit. Da spielt das Geschlecht keine Rolle. Aber mir ist natürlich bewusst, dass das Thema Frauen und Karriere seit vielen Jahren diskutiert wird. Eine Messe kann Ideen liefern, Lösungsansätze bieten, neue Wege anregen und fördern. Insofern ist es eine gute Plattform, um sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen, um den Wunsch-Job zu kommen.

Was ist für dich das Kernthema?

Bisher wurde noch kein Königsweg gefunden, wie man zum Beispiel ein ausgewogeneres Verhältnis von männlichen und weiblichen Führungskräften bekommt. Vermutlich gibt es diesen einen Weg auch nicht.

Erlebst du als Personalberater dieses ungleiche Verhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen?

Ja, natürlich. Ich weiß von unseren Auftraggebern, dass es zu wenige weibliche Führungskräfte in den meisten Unternehmen gibt und auch wenn sie das ändern wollen, haben sie Probleme, Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Es gibt einfach zu wenige Bewerberinnen. Was nicht heißt, dass es zu wenige qualifizierte Frauen gäbe. Wir müssen alle aktiver werden: die Geschäftsführung, Vorstände, die Personalabteilung etc. aber auch die Frauen selbst.

Was sollten Frauen besser machen, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen?

Da sind es tatsächlich klassische Themen. Wenn ich potenziellen Kandidatinnen auf eine Fach- oder Führungsposition anspreche, erlebe die meisten Frauen als eher zurückhaltend. Erfüllen sie nicht 100 Prozent der Anforderungen, die in einer Stellenbeschreibung aufgelistet sind, zweifeln sie und meinen sie können sich nicht bewerben. Ein Mann bewirbt sich häufig, selbst wenn er gerade 50 Prozent, abdeckt, ihn die Position einfach reizt. Das ist ein möglicher Erklärungsansatz, warum es zu wenige Bewerberinnen gibt. Wenn ich meinem Mandanten fünf Kandidaten vorstelle, habe ich mit Glück eine Frau dabei. Das muss sich ändern.

Da wir Frauen gezielter ansprechen und beraten, vermitteln wir tendenziell viele in Fach- und Führungspositionen, auch in männerdominierten Branchen. Diesen Anteil wollen wir weiter erhöhen. Auch dafür gibt es auf unserer Webseite Women in Work einen Beitrag zum Thema.

Was sagst du den Frauen, wenn sie sich eine Bewerbung nicht zutrauen, obwohl sie für die Position qualifiziert sind?

Stellenprofile sind idealtypische Wunschlisten. Kaum ein Bewerber erfüllt alle Anforderung. Frauen entscheiden sich oft schon beim Lesen der Jobbeschreibung dagegen. Männer finden danach erst einmal heraus, was konkret hinter der Position steckt. Ich kann nur raten, dass die Frauen sich ab und zu von ihren hohen Ansprüchen an sich selbst lösen. Sie brauchen mehr Mut, solche Positionen anzugehen und sollten es einfach versuchen. Als Personalberater haben wir einen entsprechenden Beratungsauftrag: nämlich den Kandidaten diese (Selbst)zweifel zu nehmen.

Welches Fazit ziehst du für dich und deine Beratungsarbeit nach dem Messebesuch?

Die Messe hat mich bestätigt und bestärkt, dass Frauen für Fach- und Führungspositionen anders angesprochen und beraten werden wollen und müssen als Männer. Bei aller Gleichheit, die wir anstreben, gibt es Unterschiede in der Ansprache und Beratung von Männern und Frauen. Diese zu (er)kennen und umzusetzen, macht eine erfolgreiche Vermittlung aus.

Dieser zusätzliche Fokus ist nun auch auf unserer Webseite www.womeninwork.de sichtbar. Damit können sicher nicht alle etwas anfangen. Am Ende spielt es für mich keine Rolle von welcher Seite man an das Thema herangeht. Es geht darum, Positionen mit qualifizierten Menschen zu besetzen – egal, ob Mann oder Frau.