Anette Wandel (geb. 1980), Leiterin Kundencenter in Berlin. Unternehmen: Deutsche Post Customer Service Center GmbH, Verantwortung für ca. 300 Mitarbeiter.


Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am meisten beeinflusst und inwiefern?
…. die Entscheidung, während meines Vollzeitjobs bei airberlin, ein Abendstudium BWL zu absolvieren. Nachdem ich meine Diplomarbeit über das Outsourcing von Customer Service Dienstleistungen geschrieben hatte, konnte ich mich in diesem Bereich spezialisieren und war später für die externen Call-Center-Dienstleister verantwortlich. Mein damaliger Chef erkannte, dass er mir eine Entwicklungsmöglichkeit geben musste, um mich im Unternehmen zu halten. Insgesamt war ich 16 Jahre im Unternehmen.

Gleich oder unterschiedlich? Wie erleben Sie die Behandlung und die Zusammenarbeit von Frauen und Männern im beruflichen Umfeld?
Unterschiedlich. Die Zusammenarbeit mit männlichen Kollegen ist häufig sehr sachlich geprägt und wenig emotional, was ich sehr schätze. Wir Frauen sind dagegen feinfühliger und achten auf kleine, wichtige Details. Diese wichtigen Eigenschaften können wir uns für den beruflichen Erfolg zunutze machen, wenn wir dabei darauf achten, fokussiert die Dinge anzugehen und dabei lösungsorientiert arbeiten. Was die Behandlung von Männern und Frauen angeht, da habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Positiv ist, ich werde als Führungskraft nicht anders behandelt. Negative Begebenheiten gab es trotzdem z. B. als ich zu einem großen Meeting mit der Geschäftsleitung und Vorständen den Raum betrat. Da rief mir ein Kollege zu was ich für ein „tolles Kleid trage“. Diese Situation empfand ich als äußerst unpassend und es war mir peinlich. Einen Mann würde man so nicht begrüßen. Ich ärgere mich, dass ich nicht schlagfertig war.

Welche Erfahrungen machen Sie als Frau in Führungsposition?
Positionen ab dem mittleren Management werden von männlichen Kollegen dominiert. Oftmals war und bin ich die einzige Frau oder mit nur sehr wenigen weiblichen Kollegen im Führungskreis vertreten. Da habe ich gelernt, dass es wichtig ist, sich durch Fach- und Kommunikationskompetenz Respekt zu erarbeiten und selbstbewusst aufzutreten. Wir Frauen müssen darauf achten, sachlich argumentativ Diskussionen zu führen. Zusätzlich erachte ich die Stimme, Sprechweise und Körpersprache als sehr wichtige Instrumente. Diese setze ich bewusst ein, um je nach Situation Aufmerksamkeit zu erhalten, durchsetzungsstark zu sein oder auch um Respekt zu bekommen. Das funktioniert sehr gut, braucht aber auch eine gewisse Eigendisziplin.

Do and Don’t: Was raten Sie Frauen, die Karriere machen wollen?
Do: Bildung, präsent sein, sich etwas zutrauen, beispielsweise in Projektarbeiten sich hervortun. Auch Mut zur neuen Herausforderungen haben. Wir Frauen hinterfragen uns zu schnell. „Kann ich das überhaupt?“ Außerdem ist Networking sehr wichtig. Ein gutes Netzwerk innerhalb und außerhalb der Company macht es leichter, Themen voranzubringen und als Führungskraft respektiert und anerkannt zu sein. Außerdem helfen ein gutes Stakeholder Management und das Bewusstsein für Stärken schaffen, diese ausbauen und im täglichen Job zunutze machen.
Don’t: Passivität, schlechte Priorisierung, zu viel Emotionalität und Selbstzweifel

Was können Unternehmer besser machen?
Den Einklang Job und Familie verbessern. Gerade für Frauen in Führungspositionen ist es unglaublich schwer, Familie und Karriere zu verbinden. Stichworte Homeoffice und Teilzeit sind für viele Unternehmen noch ein Rotes Tuch. Auch der Wiedereinstieg nach der Geburt eines Kindes ist ungleich schwerer als bei Männern. Kaum eine Frau kann wieder in ihrem alten Job arbeiten, da Teilzeitmöglichkeiten nur selten bestehen.

Was ist für Sie die größte Herausforderung, erfolgreich zu sein/zu bleiben?
Es ist eine Mischung aus: flexibel zu sein und sich schnell auf unterschiedliche Herausforderungen einstellen zu können, ideenreich Lösungen erarbeiten und Mut haben, Entscheidungen zu treffen. Gute Personalführung ist dabei für mich ebenfalls ein sehr wichtiger Aspekt. Um Erfolg zu haben, ist ein gut funktionierendes Team und Vertrauen unabdingbar. Weiterhin bewusst machen: Rückschläge können auch mir passieren und bedeuten keinen Weltuntergang. Wichtig ist daraus lernen und etwas mit zunehmen. Wir Frauen nehmen Fehler bzw. Rückschläge schnell zu persönlich.

Zurückgedacht: Was wollten Sie früher werden und wie stehen Sie heute dazu?
Ich wollte Reiseverkehrskauffrau werden und habe diese Ausbildung auch gemacht. Aber ich hatte keine konkreten Vorstellungen von meiner Karriere. Dann kam das BWL-Studium und ich bin absolut zufrieden mit meinem Werdegang.

Mit Ihren Worten: Was wollen Sie außerdem gerne zum Thema Frauen und Karriere sagen/raten/sich wünschen…?
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Selbstbewusst müssen wir uns unsere Stärken bewusst machen, sie bewusst einsetzen, auch mal ein Risiko eingehen und bloß nicht immer so verrückt machen. Wir sind zu oft zu selbstkritisch – das mündet in Unsicherheit und Selbstzweifel. Ich kann nur raten, gelassener an Dinge heranzugehen. Habt Mut und traut euch mehr zu!