Daniela Meyer (Jahrgang 1980), Director Customer Service, Sykes Enterprises
Branche: Dienstleistung, Outsourcing
Verantwortlich für: zirka 270 Agenten und 30 Führungskräfte
Tätigkeitsschwerpunkte: Führungskräfteentwicklung, Kundenmanagement, Budget-Verantwortung


Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am meisten beeinflusst und inwiefern?
Als ich in Wismar bei einem Call Center angefangen habe und für einen kleinen Standort verantwortlich war, wurde ich quasi ins kalte Wasser geworfen. Es war Segen und Fluch zugleich, denn diese Position hat mich voran gebracht, aber auch alles von mir abverlangt. Ich hatte und habe einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich wollte die Prozesse optimieren, die Mitarbeiter unterstützen, erfolgreich arbeiten usw. Das Knowhow eignete ich mir überwiegend selbst und mit Hilfe von Kollegen an – mit viel Ehrgeiz. Es war eine intensive und anstrengende Zeit. Nach vier Jahren habe ich entschlossen, mich neu zu orientieren. Es war die zweite wichtige Entscheidung meiner beruflichen Laufbahn. In dieser Zeit kam Oliver Noll mit einem sehr interessanten Stellenangebot bei Sykes Enterprises auf mich zu.

Gleich oder unterschiedlich? Wie erleben Sie die Behandlung und die Zusammenarbeit von Frauen und Männern im beruflichen Umfeld?
Es gibt definitiv Unterschiede und leider sind auch viele vermeintliche Klischees wahr: Frauen verdienen oft weniger für die gleiche Arbeit. Einer attraktiven Frau traut man fachlich weniger zu. Männer finden in Meetings oft besser Gehör. Mitarbeiter vertrauen sich eher Frauen an. Ich habe alles schon erlebt, aber natürlich nicht jeden Tag und man darf es auch nicht verallgemeinern.

Welche Erfahrungen machen Sie als Frau in der Führungsposition?
Meine Erfahrung zeigt: Je länger man zusammenarbeitet, umso mehr gleicht es sich aus. Mittlerweile stelle ich keine so großen Differenzen zwischen mir als weiblicher Führungskraft und meinen männlichen Kollegen fest. Natürlich sind die Blickwinkel oft unterschiedlich oder auch die Herangehensweise an Themen und Problemen. Aber klassisches Schubladendenken erlebe ich nur noch selten. Das kann ich dann auch gut ignorieren bzw. setze schon mal verbale Ellenbogentaktik ein. Das eigene Auftreten ist oft ausschlaggebend wie man wahrgenommen oder wie mit einem umgegangen wird. Wer souverän und selbstbewusst agiert, wird seltener Probleme haben.

Do and Don’t: Was raten Sie Frauen, die Karriere machen wollen?
Beruflich nicht stagnieren sondern immer weiterentwickeln. Seminare besuchen, qualifizieren, Fachliteratur nutzen, sich jederzeit mit Kollegen und Mitarbeitern über gegenwärtige Themen austauschen und mit den Vorgesetzen über Perspektiven sprechen. Wenn es dennoch in dem aktuellen Unternehmen weder fachlich noch in der Hierarchie vorangeht, dann sollte man schauen, welche Ziele man hat und wie sich diese mit den gegenwärtigen Alternativen vereinbaren lassen. Und wenn wir uns entschieden haben, dann diesen Weg auch konsequent gehen. Es hört sich banal an, aber wir Frauen lassen uns oft in unserem Handeln oder auch Denken beirren. Das schürt Unsicherheit und lässt uns Dinge, die wir eigentlich schaffen könnten, nicht machen. Wir sollten uns nicht zu sehr an anderen orientieren, sondern auf uns selbst schauen.

Was können Unternehmen besser machen?
Sie sollten das alte, konservative Rollendenken endlich begraben. Mann gleich Chef, Frau gleich Assistenz … Das Geschlecht sollte überhaupt kein Thema sein. Viele Personaler haben das mittlerweile verstanden. Aber die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung in der Gesellschaft oder auch in großen Unternehmen darf ruhig schneller vorangehen.
Außerdem sollte jeder jedem mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen und zwar auf allen Ebenen. Ab einer gewissen Position scheinen das manche zu vergessen.

Was ist für Sie die größte Herausforderung, erfolgreich zu sein/zu bleiben?
… mit der schnelllebigen Zeit und Entwicklung mitzugehen. Der Führungsstil ändert sich genauso wie die Ansprüche und Erwartungen der Mitarbeiter, Kollegen, Kunden. Ich möchte unbedingt den guten Draht zu meinen Mitarbeitern halten, Wertschätzung und Anerkennung geben und bekommen. Das schafft Motivation und ganz besonders gemeinsamen Erfolg.

Zurückgedacht: Was wollten Sie früher werden und wie stehen Sie heute dazu?
Bereits seit meiner Kindheit habe ich eine große Leidenschaft für Pflanzen und wollte immer einen eigenen Blumenladen haben. Von diesem Wunsch bin ich heute deutlich entfernt – obwohl, ein eigenes Geschäft hat ja auch mit Verantwortung und Führen von Mitarbeitern zu tun. Also gibt es doch Parallelen zu meinem jetzigen Job.

Mit Ihren Worten: Was wollen Sie außerdem gerne zum Thema Frauen und Karriere sagen/raten/sich wünschen…?
Jeder kann selbst entscheiden, ob er ein Klischee leben oder widerlegen möchte.